DG8NCY: KX3, kleine Mängel aber ein Gerät mit Spaßfaktor

Ich bezeichne mich weder als DX-er noch als Vollblut-CWist, habe aber trotzdem ein paar Zeilen getippel. Gerne können wir über den einen oder anderen Punkt sprechen, falls Du Bedarf hast:

Meine AFU-Liz habe ich seit 1987, bin seit zwei Jahren auch in CW unterwegs (aber noch weit entfernt, ein richtiger CWist zu sein L ) und habe in dieser Zeit eine Vielzahl an Geräten (UKW und KW) getestet. Ich habe den KX-3 nun seit ca. ½ Jahr und ich muss sagen, er begeistert mich immer wieder aufs Neue, ich hatte noch nie ein Gerät mit einem so hohem Spaß-/Preisfaktor!

Die einfache Bedienbarkeit (Gott sei Dank hat man sich trotz Portabel-Konzept entschlossen, ausreichend Tasten, Schalter und ein vernünftiges Display zu verbauen) aber auch die Leistungsfähigkeit überzeugen mich. Die schnelle Entwicklung neuer Firmware gefällt mir, obwohl ich mich nicht gerade mit „Verbesserungsvorschlägen“ bei den Entwicklern zu Wort melde, habe ich doch das Gefühl, dass hier schnell auf die Wünsche der Benutzer eingegangen wird. Sollte sich ein Softwareupdate einmal als fehlerhaft herausstellen, wird innerhalb kurzer Zeit eine bereinigte Version angeboten, obwohl man ja auch eine alte und fehlerfreie Version laden könnte. Und, auch wenn man ein Update mal nicht durchführt hat man es durchaus nicht mit einem halbfertigen Gerät sondern einem ausgewachsenen Transceiver zu tun.

Über die HF-Eigenschaften kann ich mich in keinster Weise beklagen. Mein Flex-3000, mein IC-706MK2g (mit ZF-Filter), mein verkaufter FT-817 (mit ZF-Filter) und auch mein TS-480 (mit ZF-Filter) leisten (mal vorsichtig ausgedrückt) keine bessere Arbeit, machen aber weniger Spaß! Zaubern kann der KX-3 natürlich auch nicht, aber es ist schon erstaunlich, wie wenig er sich im Vergleich zu einem TS-480 von Signalen unmittelbar neben dem Nutzsignal beeinträchtigen lässt. Wenn ich in CW das ZF-Filter des TS-480 zuschalte, habe ich zwar einen ähnlichen Effekt, jedoch muss ich das zusätzlich kaufen und die Bandbreite des Filters ist eben nicht so variabel wie beim KX-3. Auch das geringe Grundrauschen gefällt mir, gerade mit aktivierter Noise Reduction (die ich in CW immer auf 10 stehen habe), ist ausser dem CW-Signal gar nichts zu hören. Ist kein Nutzsignal zu hören, ist das Abstimmen meiner magLoop nach Gehör definitiv nicht möglich, hi.

Was mir immer noch gefällt, sind Features, die ich anfangs als lustige Gimmiks angesehen habe, wie z.B. PSK-31 mit der CW-Taste zu machen. Es ist aber irgendwie wie mit den Assistenzsystemen im Auto. Hat man sich daran gewöhnt, möchte man sie nicht mehr missen. Ich habe es die vergangenen beiden Wochen in IK3 genossen, PSK31-QSOs fahren zu können, ohne einen Laptop, Soundkarteninterface, ect mitschleifen zu müssen. Der Empfang (das Dekodieren) funktioniert sowieso super aber dass auch das Senden mit der Morsetaste so wunderbar klappt, ist schon toll! Und das ist nur ein Beispiel!

Mit dem eingebauten Lautsprecher kann ich inzwischen (Firmwareupdates) übrigens auch leben. Hifi ist es nicht aber im Shack reicht er auch bei offenem Fenster aus (ländliche Gegend) um eine leise Gegenstation zu hören. Das mag bei einem QTH neben einer Autobahn anders aussehen aber gerade mit der Pseudo-Stereo-Einstellung verwende ich im Shack sowieso gerne die PC-Lautsprecher. Und im Garten oder im Urlaub nutze ich mit Rücksicht auf die nicht funkende Family sowieso den Kopfhörer.

An Portabelantennen sieht mein KX-3 übrigens neben meiner magLoop auch meine Mehrband-Up-and-Outer sowie ZS6BKW. Zuhause wird er an einer Doppel-Zepp, Beam, magLoop sowie Monoband-Verticals betrieben.

Natürlich gibt es auch Sachen, die mir nicht gefallen:

Da wäre als erstes der IQ-Ausgang zu nennen. Meiner Meinung nach ist hier der Pegel zu gering. Ich habe mehrere (interne und externe) Soundkarten getestet und überall gab es massive Probleme. Das war letztlich für mich der Grund, den KX-3 im Shack nicht mit einer PA zu ergänzen sondern doert einen Flex-3000 einzusetzen. Schade. Die Probleme hatten alle getesteten Soundkarten übrigens nur mit dem KX-3, andere SDR´s funktionierten wie gewünscht.

Das Gerücht, dass Made in USA bedeutet, dass die mechanische Verarbeitung nicht so gut ist, sehe ich hier ebenfalls bestätigt. Mich nervt es, beim Aus- und Einklappen der Füße immer an den Schrauben drehen zu müssen und das Wechseln von Akkus (wenn man sie extern aufladen möchte. Auch die billigen Plastikachsen der Drehregler bzw. –Geber gefallen mir nicht. 10 Euro mehr und dafür Metallachsen wären ok gewesen. Aber hey, wenn es nicht mehr ist…die zwei Schrauben sind in 2 Sekunden wieder fest und als portable Stromversorgung nutze ich einen deutlich günstigeren externen Bleigel-Akku. Die Plastikachsen kennt man auch von Yaesu-Geräten (wenn auch nicht ganz so „flexibel“ wie beim KX-3 und das zwingend abgesetzte Bedienteil meines TS-480 nervt mich auch bei jedem Portabel- oder Urlaubseinsatz. Und wenn es nicht mehr auszusetzen gibt, ist das doch ein gutes Zeichen?

Gerade von einem Portabelgerät hätte ich erwartet, dass man im Menü gefundene L-C-Kombinationen des Antennentuners nur optional abspeichern kann.

Das APF-Filter für CW nutzt (mir) gar nichts. Trotz vieler Tests verschlimmert sich für meine Ohren die Situation nur. Hier ist der TS-480 mit seinem NR2-Filter deutlich überlegen (Es geht ja darum, die eine Frequenz des CW-Signals vom Pegel her anzuheben). Allerdings gab es beim hin- und herschalten zwischen den beiden Transceivern kein Signal, das ich nur mit dem TS-480 bei aktivierter NR2 hören konnte, das ich nicht auch beim KX-3 hören konnte. Hier sehe ich trotzdem noch mögliches Entwicklungspotential. Aufgrund des ruhigen RX halte ich das aber auch nicht für lebensnotwendig.

Mein Palm-Paddle hält nicht am Gehäuse, sicher will Elecraft das eigene Paddle verkaufen, trotzdem wäre es schön gewesen. Evtl. finde ich noch einen entsprechenden Metall-Klebestreifen für die Seite. Für diejenigen, die überlegen, ob sie das Palm-Paddle oder das KX-3-Paddle wählen sollten: mich nervt mittlerweile das Anschlusskabel des Palm-Paddles, allerdings würde ich das Original vor dem Kauf gerne einmal testen können und nach Berlin ist es zu weit zu fahren, hi.

Das angekündigte 2m Modul lässt weiterhin auf sich warten. Da es vermutlich aber teurer sein wird als ein gebrauchter FT-290, habe ich Zweifel, dass ich mir das noch nachkaufen werde. Wenn ich zwei oder drei Stunden portabel qrv bin, ist die Zeit, UKW und KW zu machen sowieso zu knapp. Bei einem UKW-Einsatz bleibt der KX3 dann halt zuhause und der FT-290 geht mit.

Und unterm Strich?

Ich würde mir den KX-3 jederzeit wieder kaufen! Das Ding macht einfach nur Laune und ist kein Kompromiss-Gerät! Vielleicht gibt es ja irgendwann auch eine Lösung für das IQ-Problem (ohne dass man eine 500,- € Soundkarte benötigt), dann würde ich das Schätzchen als fast perfekt bezeichnen. Dürfte ich von meinen Geräten nur noch eines behalten, es wäre der KX-3. Die einzige Fehlinvestition war das Mikrophon. Außer zum Einstellen des TX-Equilizer habe ich es nie verwendet.

vy 73 de
Claus, DG8NCY